Was ist eine Blockade?

Chiropractoren verstehen unter einer Blockade die funktionelle Fehlstellung eines Wirbels, bzw. die Blockade seiner Gelenke. Das heißt, der normale Bewegungsspielraum des Wirbels ist eingeschränkt. Liegen Blockaden vor, verliert das Pferd die normale Flexibilität der Wirbelsäule.

Steifheit, Muskelverspannungen und eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit können die Folgen sein.

In bestimmten Bereichen der Wirbelsäule treten Blockaden häufig auf.

Beispiele: Dressurpferde mit Blockaden im Lendenwirbelbereich haben Schwierigkeiten sich korrekt um den Schenkel zu biegen und Seitenlänge auszuführen.

Gangpferde mit Blockaden im Kreuzdarmbeingelenk zeigen häufig Taktfehler und haben Schwierigkeiten bei den Übergängen.

Springpferde mit Blockaden im hinteren Brustwirbel- und Lendenwirbelbereich haben häufig Schwierigkeiten über dem Sprung den Rücken aufzuwölben.

Ist die Beweglichkeit zwischen zwei Wirbeln reduziert, kann dieses auch Auswirkungen auf die Nervenstränge haben, die zwischen diesen beiden Wirbeln aus dem Rückenmark austreten. In einem abgedrückten oder gequetschten Nerv kann es zu einer Beeinträchtigung der Reiz- bzw. Informationsleitung kommen, die für eine saubere Koordination aller Körperfunktionen und somit auch jeglicher Muskelkontraktion erforderlich ist. Jede Bewegung, vom leichten Zucken des Schweifs bis zur komplizierten Piaffe in der Dressur, wird durch die Synchronisation vieler Muskeln ermöglicht. Wenn die Nervenfasern, die diese Muskeln innervieren, in ihrer Funktion gestört sind, bricht die Koordination zusammen. Kleine Störungen werden meist nur eine geringfügige Beeinträchtigung verursachen, können jedoch bewirken, daß das Pferd bei anspruchsvollen Aufgaben seine volle Leistung nicht erbringt. Fehltritte in Folge mangelnder Koordination können dazu führen, daß weitere Gelenke und Sehnen oder Bänder verletzt werden. Bei Blockaden versucht das Pferd die fehlende Flexibilität der Wirbelsäule zu kompensieren, indem es seine Bewegungen und die Körperhaltung verändert und dadurch andere Teile der Wirbelsäule oder die Gliedermaßen vermehrt belastet. Sekundär können so weitere Blockaden und eine Verschlimmerung des Zustandes hervorgerufen werden.

Wie können Blockaden hervorgerufen werden?

Wenn ein chiropraktisch arbeitender Tierarzt oder Chiropractor eine Blockade, auch Subluxation genannt, feststellt, wird er versuchen diese funktionelle Fehlstellung zu korrigieren und die Beweglichkeit des Zwischenwirbelgelenkes wiederherzustellen. Die Korrektur erfolgt durch einen schnellen, kurzen Ruck, der mit den Händen direkt am entsprechende Wirbel ausgeführt wird. Durch diese gezielte manuelle Behandlung wird das betroffene Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit hinaus bewegt, ohne daß hierbei anatomische Grenzen überschritten werden. Diese Korrektur ist sehr spezifisch und unterscheidet sich von einer groben Manipulation dadurch, daß ein kurzer Hebelansatz gewählt wird und eine genaue Untersuchung vorausgeht, um dann bei der Korrektur nur die als blockiert erkannten Wirbeln zu lösen.

Kay Nickelsen

Obwohl Pferde sehr groß sind und dicke Muskelstränge über der Wirbelsäule liegen, sind die Wirbelgelenke sehr beweglich und mit der richtigen Technik relativ einfach und mit geringerem Kraftaufwand zu lösen, bzw. zu korrigieren, ohne daß es dabei zu dem häufig erwähnten Überdehnen oder Ausleiern des Bandapparates kommt. Ein "Einrenken" der Wirbelsäule mit Ziehen oder kräftigem Rucken an den Beinen ist völlig unnötig und in keiner Weise spezifisch auf die betroffene Wirbel abgestimmt. Eine solch unsachgemäße Behandlung kann sogar gefährlich sein, da Bänder und Gelenke schnell überdehnt werden. Man sollte also unbedingt gezielt vorgehen und zugunsten sicherer Methoden auf diese unspezifische Technik verzichten. Zu einer kompletten chiropraktischen Behandlung gehört auch die Untersuchung, und wenn nötig, die Behandlung der Gliedmaßgelenke und des Kiefers. Eine häufig gestellte Frage ist, wie viele chiropraktische Behandlung bei einem Pferd nötig sind. Diese Frage muß für jeden Patienten individuell beantwortet werden. In den meisten Fällen reicht eine einzelne Behandlung aus, um das Problem zu beseitigen. Das Ziel der Chiropraktik ist es, funktionelle Fehlstellungen der Wirbel zu beseitigen und die vollständige Mobilität der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die Aufgabe der Muskeln und Bänder ist dann, die korrigierte Wirbelsäule zu stützen und in dieser Form zu halten. Der Chiropractor muß den Patienten so lange behandeln, bis der Körper die neue Lage der Wirbelsäule als normal akzeptiert. Dies dauert in der Regel jedoch nicht lange, da die neue, korrigierte Lage der alten, ursprünglichen, vor der Fehlstelllung entstandenen, bekannt ist. Natürlich ist die Häufigkeit der Behandlungen ebenso anhängig von den bisherigen Dauer der Fehlstellungen, wie von der Schwere derselben.

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